Bo Katzman - Die Seite für den Fan
Songs und Show - «son et lumière»
Bo Katzman und sein Chor gastierten im restlos ausverkauften Musiksaal des Stadtcasinos
Mystisch beginnt das: Nebel und ein geheimnisvoller, halb lichtdurchlässiger Vorhang verdecken vorderhand den Chor, wabernde Musik, Lichtspieleffekte, eine Art modernes «son et lumière», und mitten in das Nylon-Nebel-Nirwana treten eingekuttete Männer mit Elektrokerzen in den Händen. Sie singen etwas, das man seit Vangelis für einen Choral halten darf. Dann gibts Licht von hinten, der Chor wird wie durch ein Wunder sichtbar, der Klang schwillt an, und da, ganz obenauf, erscheint wie Zeus auf dem Olymp: er - Bo Katzman. Doch siehe - da zerriss der Vorhang, und der Chor wurde in seiner ganzen Grösse sichtbar: Bo nun davor, im bescheidenen schwarzen Anzug.
Gut einstudiert
Der Vorhang ist praktisch, denn er gibt Bo Katzman Gelegenheit, den Chor nach Belieben ein- und auszublenden. Aber man sollte da nichts Falsches vermuten - Bo ist nett zum Chor, und er hat ihn gut einstudiert. Der Chor singt die Refrains und die «backing vocals» präzise, energisch und offensichtlich motiviert. Das muss den Sängerinnen und Sängern auch leicht fallen, denn die Arrangements sind einfach und eingängig. Bo weiss auch zu berühren: Es sei eine schlimme Zeit jetzt, nicht nur wegen dramatischer Ereignisse, sondern auch, weil viele den Menschen nur noch als Käufer von Produkten sähen und nicht mehr als Menschen, und deshalb müsste man sich davon abwenden und wieder mehr lieben, sagte er. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, in den Foyers seine CDs zu verkaufen.
Solide arrangiert
Die Songs sind solide arrangiert, die Band ist gut, Lichterglanz und Nebeldunst, und endlich wieder einmal ein wirklich voller Musiksaal! Und Bo Katzman ist ein guter Sänger, ein guter, motivierender Chorleiter und nicht zuletzt ein guter Showmaster, der genau weiss, was er will, und der genau dies tut. Bo verfügt über den dazu nötigen Mix aus Professionalität und Naivität: Keine seiner Ideen ist neu. Die unzähligen, sich dauernd selber gegenseitig generierenden Fernsehshows liefern das ästhetische Konzept und den Trick, inhaltliche Leere im Rausch von «Sound 'n' Light» vergessen zu machen. Immerhin aufschlussreich für den Umgang des Stars mit «seinem» Chor ist die lustige szenische Einlage, die zu einem - vorgeblich vom Chor geforderten - Quodlibet aus vier Spirituals führte. Hauptfigur war - obwohl er sich raffinierterweise vom Publikum in einer «Applausbefragung» gegen den Chor überstimmen liess - immer Bo. So bekommt er auch noch den Bescheidenheits-Bonus. Und darauf fiel sogar meine ansonsten kritische Sitznachbarin rein.
David Wohnlich